Reise an den Baikalsee

Wir wollen uns einen lange gehegten Wunsch erfüllen und mit insgesamt 3 Fahrzeugen von Anfang Juli bis Mitte Oktober 2019 - ca. 100 Tage - zum Baikalsee fahren.

Die Route soll über Riga, Moskau, Nishni Nowgorod, Kasan, Jekaterinburg, Omsk, Novosibirsk, Krasnojarsk, Bratsch nach  Irkutsk  und zum Baikalsee verlaufen. Zurück mit einem Umweg in das Altaigebirge und durch Kasachstan an die Wolga und nach Wolgograd. Wieder in Richtung Heimat über Kursk, durch die Ukraine (Kiew und Lemberg) und Südpolen.

Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren und wir haben uns vorgenommen, dass wir an dieser Stelle von unterwegs berichten werden.

 

1. Bericht - Holpriger Beginn -

Fahrt mit der Fähre von Travemünde nach Liepaja (Lettland) schon mal 2 Tage später (05.07.2019) weil erst noch eine weg geflogene Dachhaube ersetzt werden musste.

In Riga machte an einem unserer Fahrzeuge ein Stoßdämpfer-Dom Geräusche, die wir nicht bis nach Sibirien mitnehmen wollten - also Werkstatt. Weiterfahrt nun am 09.07.2019 bis vor die lettisch-russische Grenze nach Dzerkali auf einen relativ neuen und gepflegten Campingplatz an einem See.

2. Bericht, 10. - 15.07.2019 

Der 3. Grenzübergang innerhalb von 3 Jahren von Lettland nach Russland am Border-Point Zielupe war der Längste (insgesamt 6 Stunden, gleichmäßig auf beide Länder verteilt). Aufreizend dabei war besonders die freundlich-störrische Langsamkeit bei der lettischen Grenzabfertigung. Trotzdem gelangten wir noch so rechtzeitig zu unserem Tagesziel (Stellplatz beim Park-Hotel in Derbovezh), dass wir unser Abendessen in der angenehmen Gaststätte genießen konnten. 

Die 440 km von Derbovezh nach Sergiev Possad - einst Sagorsk - dem Einstieg in den Goldenen Ring am 11.07.2019 zogen sich länger hin als erwartet. Schuld daran war eine Baustelle von fast 80 km Länge wegen des Ausbaus der Straße 107 zum neuen vierspurigen "Äußersten Ring" um Moskau. Im strömenden Regen erreichten wir unseren Stellplatz in unmittelbarer Nähe zur Klosteranlage und als der Regen aufhörte, reichte es noch zu einem abendlichen Spaziergang "im Schatten" der angestrahlten Zwiebeltürme.

Am nächsten Vormittag wurden Euro in Rubel eingetauscht, russische SIM-Karten und WLAN-Sticks erstanden. Der Nachmittag gehörte dann der immer wieder faszinierenden Klosteranlage von Sergiev Possad.

Die eigentlich lockeren 177 km am 13.07.2019 nach Suzdal an der Kamenka gestalteten sich anfangs etwas schwierig, weil unsere Navi´s noch nicht mitbekommen hatten, dass die Landstraße mit vielen Kreuzungen zur Autobahn mit wenigen Ausfahrten geworden war. Entschädigt hat uns dann unterwegs die St. Georgs-Kapelle in Yurýev Polski mit ihren vielen Friesen (von "Fries" - hat nichts mit Otto zu tun) verzierten Außenwänden. - Wir genossen am nächsten Tag das wegen der über den Ort verteilten Baudenkmäler attraktive Suzdal und auch die komfortable Infrastruktur des Campingplatzes, bei dem uns bewusst wurde, dass wir es auf der weiteren Reise nur noch selten so antreffen würden.

Am 15.07.2019 von Suzdal nach Nishni Novgorod gestalteten sich ca. 280 km auf guter Straße kurzweilig und wurden nur vom Aufenthalt in einem Einkaufszentrum der Superlative in Wladimir unterbrochen. Am Etappenziel angekommen wurde die geplante Taxenfahrt in die Stadt vom engagierten Taxifahrer zu einer Stadtrundfahrt aufgepeppt. So lernten wir mit Pausen zum Laufen den Kreml mit seiner imposanten - von deutschen Kriegsgefangenen gebauten - Treppe und der famosen Aussicht auf Wolga und Oka und die den einstigen Reichtum der Handelsstadt zeugende Fußgängerzone kennen.

3. Bericht, 16. - 19.07.2019

Problemlose 260 km nach Cheboksary, der Hauptstadt der autonomen Teilrepublik Tschuwaschien. Wir fanden einen guten Stellplatz bei einem Yachtclub am Ufer der Wolga. Der junge Platzwart sagte ganz spontan und stolz auf deutsch: "Das Wasser ist gut" und inszenierte noch eine 2-stündige Bootsfahrt auf der Wolga in den Abend hinein - inklusive Sonnenuntergang.

Am 17.07.2019 erwies sich der bei der Ankunft am frühen Nachmittag sehr laute und lebhafte Platz vor dem Stadion in Kasan doch noch als akzeptables Nachtquartier mit einem fantastischen Blick auf den angestrahlten Kreml, der bereits am Nachmittag erkundet worden war. Besonders beeindruckend war die Kul Scharif Moschee aus einer Zeit, in der Kasan islamisches Zentrum Russlands war. Auf dem Weg zum Stellplatz fuhr uns der letzte Hopp on - hopp off - Bus des Tages vor die Füße, so daß wir unsere Kasan-Eindrücke noch erweitern konnten.

"Transportetappe" am 18.07.2019 von Kasan nach Izhevst über knapp 400 km; 3/4 der Autobahn-ähnlichen Strecke ist wohl schon russischer Bestandteil der "Neuen Seidenstraße". Übrigens "Trans-portetappe": Der Blick neben die Strecke und auf den Güterverkehr auf der Straße zeugen vom großen Potential dieses Landes. 

Nach der Nacht auf dem ruhigen Parkplatz bei einem Wintersportzentrum besuchten die männlichen Mitfahrer am nächsten Vormittag noch das Kalaschnikov-Museum, das dem berühmten Konstrukteur von russischen Armee-Waffen gewidmet ist. Elisabeth und Heidrun zogen die Besichtigung der St.-Michael-Kathedrale vor, die dem Anschein nach erst wieder in jetziger Zeit errichtet wurde. Nach einem Mittagessen in einem auch am Tage geöffneten Nachtclub fuhren wir noch zu einem Autohof, wo es für uns Duschen und gutes Wasser gab.

 

4. Bericht, 20. -  24.07.2019

Kurz nach Beginn der Tagesetappe beeindruckte uns sehr das Geburtshaus von Tschaikowsky (geb.1840 in Wotkinsk - gest.1893 St.Petersburg) das zu einem großen Museumskomplaex umgestaltet wurde. - Danach stramme Etappe - an Perm vorbei - nach Kungur. Hier gefiel uns der Parkplatz an der Eishöhle nicht und wir legten noch 30 km zu einem weiteren Autohof dazu.

Am 21.07.2019 verlassen wir Europa und merken kaum, daß wir mit dem Erreichen von Jekaterinburg schon in Asien sind. Die E22 durchquerte den Ural ohne das Gefühl gehabt zu haben, in einem Gebirge gewesen zu sein. - Auf dem Weg nach Jekaterinburg besichtigten wir das Gedenkkloster Ganina Jama, der Ort an dem die Zarenfamilien 1918 ermordet wurde. Eine ruhige Nacht auf dem großen Parkplatz - sogar mit Strom.

Am nächsten Morgen erreichten wir in Jekatarinburg ein Hotel, das auch schon bessere Tage gesehen hatte, aber mit ruhigem Parkplatz und Seeblick, freundlicher Rezeption und guter Zimmerdusche.- Der Ducato von Hans und Elisabeth bekam noch am Nachmittag in einer kundigen FIAT-Werkstatt eine neue Kupplung. Der "Rest der Truppe" erreichte mit dem Taxi trotz eines sprachmuffligen Fahrers die Innenstadt, wo es zunächst schwierig war, einen Stadtplan zu ergattern. Dann aber konnten wir uns orientieren und lernten das Zentrum der quirligen Stadt kennen.

Am 23.07.2019 Weiterfahrt nach Tjumen, einer von der umliegenden Erdgasförderung geprägten, aufgeblähten Provinzstadt. Auf dem Weg dorthin beeindruckten in kleinen Orten die Holzhäuser. Oft waren die Fenster erneuert worden, leider auf Kosten des Stils. Die unendlichen Weiten bestaunen wir täglich aufs Neue. Selten wird auf den Feldern Hand angelegt, der Maschinenpark scheint groß zu sein. Nachdem der ins Auge gefaßte Stellplatz mit Thermalbad in Tjumen uns nicht aufnehmen wollte, fuhren wir noch 25 km weiter nördlich zu einem Zeltplatz - eher Zeltwiese - mit Thermalbad, der schon immer von deutschen Wo-Mo-Gruppen frequentiert wird. Bedingt durch die vorherigen starken Regenfälle wußte man manchmal nicht, ob man vor einer Pfütze oder dem Kinderbecken steht. Die Kinder hatten noch Ferien. Die Menschen am Platz sind überaus freundlich und hilfsbereit: Wir sollen uns Wohlfühlen.

Am 24.07.2019 verließen Lutz und Heidrun unsere Generalroute und machten einen Abstecher auf 250 km gut ausgebauter Straße nach Tobolsk, das unser Interesse durch die sibirische Reisebe-schreibung (1829) von Alexander von Humbold geweckt hatte. Hier verbrachte auch die Zarenfamilie einige Monate vor der Hinrichtung in Jekatarinburg.

Beim Gang durch die Oberstadt überraschte uns der gewaltige Kreml mit einem hervorragenden Blick auf die Unterstadt und den Tobol. Eine ruhige Nacht verbrachten wir auf einem kleinen Parkplatz beim "Roten Turm" am Kreml.

 

5. Bericht, 25. - 30.07.2019

 

Die lt. Karte "gelbe Straße" zurück zur E22 war besser als erwartet und führte uns um und durch kleine Ortschaften mit Holzhäusern und Brunnen davor. Die weitläufigen Felder abgeerntet oder gemäht und zu Ballen gerollt - naturbelassen und ohne Plastik. An unserem Tagesziel in Ischim wollten wir gerade den uns nicht zusagenden Platz verlassen, als ein Wolgadeutscher uns zu seinem Hotel weiterlotste - na ja: wie schon öfters mal schwacher Strom und lahmes Internet.

Am 26.07.2019 wäre Omsk unser eigentliches Etappenziel gewesen. Die gelegentlich verkannte Stadt empfanden wir bei der Durchfahrt als reizvoll. Weil wir den angedachten Übernachtungsplatz am Fluß überbelegt fanden, fuhren wir weiter zum fast schon luxuriösen LKW-Übernachtungsplatz Kalachink mit Motel, Sauna, Shop und "technischem Wasser" für 3,00 Rubel pro L.

Auch heute (27.07.2019) lassen uns unterschiedliche Fahrgewohnheiten, Mittagspause und eine lange Baustelle nicht gemeinsam am idyllischen Parkplatz bei Kargat ankommen, aber doch den Tag zusammen beschließen denn dieser kleine Autohof begeistert durch das um die Festwiese eingerichtete Bauernmuseum.

Sonntagsgemäß (28.07.2019) relativ kurze (ca. 140 km) Tagesetappe nach Novosibirsk mit end-losen Geschwindigkeitsbeschränkungen. Unangemeldete Ankunft mittags beim "Deutsch-Russischen Haus" - niemand da, aber wir stehen ruhig im Hof und ein erster Stadtbesuch ist auch noch drin. Am Montag dann nachgeholte Freundlichkeit mit Tatjana, dem Hausleiter und Fotos vom Pressechef. Strom, Wasser, Entsorgung, Dusche, 2 Waschmaschinen und die Möglichkeit das WoMo zu waschen zu einem großstädtischen Preis. Wir gestalten den Tag in Eigenregie und fahren per Taxi zunächst zum Wasserbahnhof am Ob und dann zum grandiosen Hauptbahnhof, dem größten Bahnhof an der Transsib. Alles großräumig, viel Marmor und piksauber  aber kein Restaurant. Zurück fußläufig durch das lebhafte Treiben der Hauptstraßen.

Letzter Tag in Novosibirsk mit dem Besuch des umfangreichen Eisenbahnmuseum in Akademgorodok, der von Chrustchov initiierten  Wissenschaftsstadt im Grünen. Ein krönender Abschluß war das sachkundig und liebevoll eingerichtete Heimalmuseum der Volkdsdeutschen in Sibirien.

 

 6. Bericht, 31.07. - 05.08.2019

Mittagspause auf dem Weg nach Mariinsk in Kemerovo an der Uferpromenade vom Fluß Tom. Eigentlich eine Industriestadt, aber doch mit einem gewissen Flair. Als wir am Zielort noch etwas unschlüssig am vorgesehenen Gruppenreise bewährten Stellplatz standen, geleitete uns ein freundlicher Mensch zu einem 10 km entfernten Campingplatz im Birkenwald. Das war ein Volltreffer: Strom, Wasser, abendliche Waldwanderung, Lagerfeuer und Reparatur am Wohnmobil alles insklusiv. Übrigens: seit ca. 20 Tagen in Russland kaum Regen obwohl der Juli der regenreichste Sommermonat sein soll. Der Boden lechst nach Wasser und die Waldbrandgefahr ist groß.

Krasnojarsk am Jenissei ist unser Ziel am 01.08.2019. Hinter dem Ob wurde die Landschaft hügeliger. Achinsk ist ein rauchiger, diesiger, übelriechender Industrieort mit riesigen Abraum-halden. Als Zugabe führt uns das Navi durch die Stadt. - Schnell nach Krasnojarsk, aber erster angedachter Stellplatz am Wasserbahnhof überfüllt. Platz am Stadion nicht mehr zugänglich. Dafür stehen wir beim Sibirian Club am Fluß luxuriös und an den von uns mißtrauisch beäugten Grillhütten sorgt der Security ab 23 Uhr eisern für Ruhe.

Am nächsten Tag mit dem Taxi zur St.Paraskeva-Kapelle mit Rundsicht auf die großflächige Stadt und den Jenissei. Danach zum Opernplatz, wo der Tag der Armee mit Waffenschau, Gesang und Tanz begangen wurde. Äußerst bemerkenswert fanden wir, daß auch neueste Waffen erklommen und fotografiert werden konnten. Fallschirmspringer und der lautstarke Kunstflug eines Kampfjet rundeten das Programm ab. Kultureller Gegenpol war der Besuch des Surikov-Museum in einer Jugendstil-Villa. Die Frauenbildnisse des aus Krasnojarsk stammenden Malers (1846 - 1916) beeindrucken durch Präzision und die Wiedergabe von Stimmungen. Nach mühevoll gefundenen Mittagstisch und mit einem vom russischen "Freund und Helfer" (Polizist) herbeigerufenen Taxi beschließen wir den 30. Tag am Stellplatz.

Nach einem gemeinsamen Frühstück im "Sibirian Club" verlassen wir am 03.08. unseren angenehmen Stellplatz in Krasnojarsk und fahren kurvenreich durch die Stadt Kansk mit alten und auch gepflegten Holzhäusern. Uns bleibt dadurch die in jämmerlichen Zustand befindliche Stadtumfahrung erspart.

Unser Rastplatz für die Nacht ist diesmal ein staubiger LKW-Hof in Tinskoy. Am darauffolgenden Sonntag entfliehen wir dem Staub in Richtung Tulun. Aber nach ca. 100 km hat unser Alleinfahrer einen sehr unsanften Kontakt mit einem russischen Sattelzug. Zum Glück hat er nur einige Schrammen, aber das WoMo ist nachhaltig beschädigt und nicht mehr fahrbereit. Nach Polizei-einsatz und Bergung des Fahrzeugs wird entschieden, daß der Berger das Fahrzeug am nächsten Tag nach Irkutsk (ca. 650 km) in eine FIAT-Werkstatt bringt. Der lange Tag endet schließlich um Mitternacht. Am Montag tritt die Fuhre den langen Weg nach Irkutsk an und am späten Nachmittag trifft sie sich wie aus Geisterhand (und Navi) gesteuert mit den getrennt fahrenden Teilnehmern vor der FIAT-Werkstatt, wo das WoMo nach einigen Hin und Her und Verständigungsproblemen abgeladen werden kann.

Die nach wie vor hügelige Landschaft prägt unseren Weg an diesem Tag. Die Nadelbäume sehen vertrocknet aus, sie folgen auf die abgestorbenen Birken der vorhergehenden Etappen, die von einem Käfer befallen sind. Die gut ausgebaute und zügig zu befahrende M53 wird hin und wieder durch eine "heftige Baustelle" aufgelockert, die dank unkomplizierter Regelung zügig überwunden wird. Bei Tulun sind die Spuren der Überflutungen um die Monatswende Juni/Juli noch unübersehbar, die Schäden an den Verkehrswegen waren jedoch behoben.

Wir erreichen am frühen Abend unseren Stellplatz beim "Hotel IRKUTSK"  am Ufer der Angara. Die verbliebenen Fahrzeuge stehen in einer ruhigen Ecke des Hotelparkplatz. Es gibt Strom, Wasser und Entsorgung. Unser Pechvogel ergatterte eines der letzten noch freien Hotelzimmer. Den verdienten "Absacker" bekamen wir in der Hotelbar vom außerordentlich uninteressiert wirkenden Service, dem man beim Laufen die Schuhe zubinden konnte.

 

7. Bericht, 06. - 13.08.2019

Der 6. und 7. August sind Putz- und Arbeitstage in Irkutsk, angereichert mit einem Besuch in der FIAT-Werkstatt, die natürlich auch wissen will, wie es weitergeht. In dieser Hinsicht liegt wohl der Ball jetzt bei der Versicherung. Wir helfen nach Kräften beim Mail-Verkehr. Zum Glück ist die Internet-Verbindung beim Hotel stabil. Unser Versuch am 06.08. im Hotel abends zu essen, wird zum Fiasko. Der eigentliche Speisesaal war für uns nicht zugänglich, weil irgendeine größere Veranstaltung stattfand. Im uns ersatzweise vorgeschlagenen Cafe saßen wir eine "knappe halbe Stunde", hielten uns an der Speisekarte fest und warteten auf die bereits bestellten Getränke, bevor wir die ungastliche Stätte verließen. Mehr als ein Ersatz war das Cafe "MONET" neben dem Hotel, überschaubar, geschmackvoll eingerichtet und mit gekonnt angerichteten Speisen war der Abend mehr als gerettet.

Am 07.08. war die Taxifahrt zur Werkstatt kombiniert mit dem Besuch eines Supermarktes. Dabei sind die Taxipreise - wie bisher überall in Russland - für unsere Verhältnisse frappierend niedrig und wir profitieren davon. Ansonsten konnten wir dank der stabilen Wlanverbindungen beim Hotel endlich den Reisebericht auf unserer Internet-Seite fortsetzen.

Unser Eintreffen in Irkutsk hatte sich bei der Russisch-Deutschen Gesellschaft rasch herumgesprochen und so nahmen im Verlauf des 08.08. einige Mitglieder Kontakt mit uns auf. Man sorgte sich rührend um unser Wohlergehen, bot uns einen Stellplatz im Garten eines Mitglieds an und es gab Hilfsangebote für unseren Pechvogel. Nachmittags hatten wir eine interessante und anregende spontane Gesprächsrunde bei Kaffee und Kuchen mit Anna und Oxana von der Gesellschaft, bei der wir viel über Land und Leute, das tägliche Leben in Irkutsk und über das Bildungswesen erfuhren. Da das Jubiläumsprogramm der Städtepartnerschaft erst am 16.08. beginnt, sind wir vom 09. bis 13.08. an das Südufer des Baikal und weiter nach Ulan Ude, der Hauptstadt der autonomen Teilrepublik Burjatien gefahren (H + R ca. 900 km). Die ersten ca. 100 km bis Kultur am Südufer des Sees sind kurvenreich mit vielen Steigungen und Gefällen und erfordern wegen des starken LKW-Verkehrs einige Aufmerksamkeit. Es geht bis auf 1000  m Höhe und wir fuhren durch Wolken. In Kultur dann der erste Blick auf den Baikal bei noch diesigem Wetter. Den auf dem Markt erstandenen frisch geräucherten Omul ließen wir und sogleich mit Blick auf verrottende Kräne am trostlosen Hafen schmecken. Von dem Fisch waren wir begeistert. Die Straße folgt dem Seeufer, dazwischen noch die Gleise der Transsib auf denen viele lange Güterzüge unterwegs sind. Nächster Stop auf einem angelegten Platz am Wasser in Baikalsk, aus ruhigen Parkplatz der Naturparkverwaltung in Tanchoy. Die Wanderung auf dem gepflegten hölzernen Steig über Hochmoore durch das Naturschutzgebiet rundeten den Tag ab.

Am 10.08. zweite Etappe nach Ulan-Ude (240 km) entlang des Südufers und dem Fluß Selenga. Einige sehenswerte Punkte heben wir uns für die Rückfahrt auf, denn vor Ulan Ude wollten wir noch zum buddhistischen Kloster Involginsk, das in einschlägigen Informationen als "Muß" dargestellt wird. Mit 60 Mönchen und 150 Studenten soll es das einzige buddhistische Heiligtum in Burjatien und Rußland sein; erstellt ca. 1945 und immer noch im Weiterbau. Es herrscht viel Tourismus und wenig Andacht - wir waren enttäuscht. Darum verlassen wir den vollen und in weiterer Vergrößerung begriffenen Parkplatz alsbald in Richtung Ulan Ude. Mit der Annäherung an diese Stadt wächst der Eindruck, daß es hier etwas adretter und gepflegter zugeht. Vielleicht noch ein gewisser Nachklang der ehemals "sozialistischen Vorzeigestadt"- Die Stellplatzsuche gestaltet sich etwas schwierig, weil zum ersten und einzigen Mal die Koordinaten in der Reisebeschreibung von mariblog, die uns ansonsten eine große Stütze waren, nicht zutrafen. Auch der frühere Orientierungspunkt Parkhotel war einer anspruchsvollen, abgeschlossenen "Residenz"-Bebauung zum Opfer gefallen. Schließlich fanden wir aber doch den Parkplatz vor dem Ethnologischen Museum, der sich zum Abend leerte, als einen ruhigen Stellplatz für die Nacht. Am nächsten Vormittag suchten wir in der Stadt vergeblich nach einem Platz zum bewachten Parken und für die folgende Nacht. Was wir fanden, war ein schattiger Parkplatz für 2 Mobile direkt im Zentrum. Lutz übernahm die "Stallwache" und die Anderen erkundeten die interessante Innenstadt mit Zarentor und riesigen Lenin-Kopf sowie prachtvollen Hausfassaden. Am Nachmittag wundervoll gestaltete (besonders die Fenstereinfassungen) Holzhäuser. Beeindruckend war die OdrgidrievskiyKathedrale, die als die schönste Barockkirche Ostsibiriens gilt. Heidrun und der "Stallwächter" besuchten dann noch ein äußerlich unscheinbares, aber innen sehr ansprechend eingerichtetes KAFE mit einer begeisternden Kuchen- und Kaffeeauswahl. Schließlich kehrten wir auf unseren bewährten Übernachtsungsplatz beim Museum zurück. Dort gab es noch ein Abendessen in einer gehobenen "Schnellfeuertheke" mit landestypischem Essen in angenehm "rentnergerechten" Portionen und dem inzwischen von uns geschätzten Wein aus Georgien. Zum "Nachtisch" Gewitter mit dem heissersehnten Regen. Die Rückfahrt nach Irkutsk am 12.08. hielt noch 2 Höhepunkte für uns bereit: Zwei wirklich erwähnenswerte Klöster, die inzwischen als Geheimtip gelten. "Holy Trinity Selenge" aus dem 17. Jahrhundert im Ort Troitskoe und "Posolskiy monastery" aus dem 18. Jahrhundert, direkt am Ufer des Baikalsees gelegen. Beide orthodoxe Klöster wurden nach dem 1. Weltkrieg aufgehoben, ca. 1995 zurückgegeben und mit jeweils 30 bis 50 Mönchen wieder eingerichtet. Die Hauptgebäude sind authentisch renoviert, im Umfeld ist noch einiges zu tun und man ist augenscheinlich emsig dabei. Augenweide sind die freistehenden Glockentürme und die liebevoll angelegten Gärten - Blumen in "Holy Trinity und Gemüse im "Posolsky monastery". Danach schlugen wir noch einen Haken durch das heruntergekommene "Industriedorf" Babuschkin mit grausamen Straßen - aber einem neuen, schmucken Bahnhof in der Tristesse. Zwischenübernachtung dann auf dem schon bewährten Platz in Tanehoy mit zuvor am Straßenrand gekauften Omul - wieder ein Genuß. Am 13.08. kehrten wir zu unserem Stellplatz am Hotel in Irkutsk zurück.

 

8. Bericht, 14. - 24.08.2019

Am 14. und 15.08. waren Putz-, Büro- und Schreibtage - von Heidrun durch einen ersten Gang durch die Stadt und dem Besuch des Kunstmuseums aufgelockert. Am 15.08. traf auch die Reisegruppe der "Deutsch-Russischen Gesellschaft" aus Pforzheim ein, die bis zum 24.08. die Partnerstadt Irkutsk besucht, um mit der "Russisch-Deutschen Gesellschaft" aus Irkusk das 30.-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zu begehen. An der Stadtrundfahrt am Nachmittag und dem anschließenden Begrüßungsessen nahm auch unsere Gruppe teil und wir waren schon bei diesem ersten Zusammentreffen beeindruckt von der herzlich-freundschaftlichen Atmosphäre. 

Von den Aktivitäten der Irkutsker für die Pforzheimer Abordnung an den folgenden Tagen sind hervorzuheben:

° Besuch des Sozialdorfs ISTOK am 16.08., in dem behinderte Jugendliche betreut und beschäftigt werden. Die Deutsch-Russische Gesellschaft beteiligt sich seit Jahren an der Förderung dieser Einrichtung und hat als "Gastgeschenk" die "Ersatzbeschaffung" der von der Weide gestohlenen Milchkuh finanziert.

° Tagesausflug (Kleinbus) nach Listwanka am Baikalsee am 17.08. Die nicht mehr so ebenen Straßen, der stuckerige Kleinbus und der Regen haben den Tag relativiert. Listwanka, einst stimmungsvolles "Tor zum Baikalsee" ist heute mit Autos und Bussen zugeparkt, unkontrolliert und verschandelnd zugebaut sowie mit Imbiß-, Souvenir- und Omul-Ständen vollgestopft. - Auch einer Show mit abgerichteten Baikal-Robben kann sich der Ort inzwischen nicht mehr erwehren. - Das besichtigte Limnologische Museum bot interessante und umfassende Informationen über den See, seine Fauna und Flora. Auf dem Rückweg erfolgte ein Stop beim Freilichtmuseum Talcy. Hier war von den Irkutsker Freunden ein Imbiß liebevoll angerichtet worden. Ein am gleichen Tag abgehaltener Handwerkermarkt war attraktiv, weil wirklich handwerkliche Souvenirs angeboten wurden - leider litt er unter dem schlechten Wetter. Die besichtigten Gebäude stammen meistens aus Orten, die wegen dem Bau von 3 Staudämmen an der Angara aufgegeben werden mußten - sehr informativ, weil sie einen Einblick in bäuerliche und kleinbürgerliche Lebensformen im 18. und 19. Jahrhundert geben.

° Eisenbahnfahrt am 18.08. von Irkutsk auf der alten Strecke von 1902 der Baikalbahn nach Port Baikal. Wegen der Streckenführung am See entlang und der vielen erforderlichen Kunstbauten (Tunnel, Brücken, Stützmauern) war diese Fahrt ein besonderes Erlebnis. Mit der Fähre nach Listwanka und erholsame Rückfahrt mit einem ausgewachsenen Bus.

° Ausflug auf die Insel Olchon von 18. bis 21.08.: der Besuch dieser Insel ist Pflicht wenn man sich in dieser Region aufhält. Die steppenhafte Westhälfte und die waldreiche Osthälfte bieten viele unterschiedliche und interessante Landschaftsbilder bis zu einer unvermuteten Höhe von ca. 1.200 m ü.M. Man kann, aber muß nicht mit dem WoMo auf die Insel, denn spätestens die ca. 70 km Gravel mit teilweise üblem Wellblech von der Fähre bis zum Hauptort Chuzir (nahe dem Schamanen-Felsen) würden das WoMo doch ziemlich zusetzen. Der Ausflug zum Kap an der Nordspitze setzt dann noch eins drauf, wird mit den seit 40 Jahren unverändert gebauten und bewährten kleinen Allrad-Bussen von LADA bewältigt und offenbart das Dilemma der zunehmenden Bekanntheit von Olchon: an den Holzstegen und -plattformen aufgegepeppten Rast- und Aussichts-punkten drängeln sich jeweils 15 bis 20, am Kap bisweilen auch mal 30 dieser Fahrzeuge. Chuzir hat sich in den letzten Jahren verdoppelt und etwas weiter entstand eine völlig neue Ansied-lung. Der Fähranleger auf der Landseite ist neu (und natürlich größer) und die drei Fähren fahren bei Bedarf ohne Pause.

Fazit: Wer den Baikalsee und Olchon einigermaßen authentisch und unverfälscht erleben will, muß sich beeilen.

Unser weiterer Aufenthalt in Irkutsk war geprägt von Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Jubiläumstreffen der Städtpartnerschaft.

° 22.08. Spaziergang zum geplanten "Pforzheim Platz" mit schönen Reden der offiziellen Vertretern der Stadt Irkutsk. Dabei stellte sich heraus, daß die endgültige  Gestaltung wohl noch nicht in "trockenen Tüchern" ist - aber zum Glück ist die Skulptur von Dantes - einem Pforzheimer Künstler - lagerfähig. Danach offizieller Empfang im Hotel "Irkutsk" mit wieder geschwungenen Reden, Auszeichnungen für jenen, die sich um die Städtepartnerschaft verdient gemacht haben. Folklore und geschmackvollen Buffet. Praktischerweise stehen unsere Mobile im Hof des Hotels.

° 23.08. "Besuch von sozialen Einrichtungen" war das Motto dieses interessanten Tages. Zunächst eine Einrichtung zur medizinischen und psychologischen Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren mit Behinderungen die angeboren oder später eingetreten sind. Beeindruckend war die räumliche, sachliche und personelle Ausstattung - und auch die engagierte und eloquente Leiterin der Einrichtung.

In der zweiten Einrichtung werden behinderte Jugendliche auf ein künftiges Leben in normaler Umgebung (eigene Wohnung, Arbeitsstelle) in kleinen Wohngemeinschaften vorbereitet. Für 150 Jugendliche sind 300 Mitarbeiter vorhanden. Bei beiden Einrichtungen handelt es sich zweifellos um "Leuchtturm-Projekte", die aber dennoch die geänderte Einstellung des Staates zur Behinderung junger Menschen dokumentieren und die noch verbreiteten Klischee-Bilder von teilnahmslos blickenden Gestalten in angerosteten Gitterbetten zumindet in Frage stellen.

° 24.08.2019 Jede beeindruckende Zeit geht einmal zu Ende, so auch unser Besuch in Irkutsk. - Am Vormittag war Lutz mit Anna - unserer "guten Fee" in Irkutsk - in der Stadt, um ihrem Sohn einen LEGO-Wunsch zu erfüllen. Anna, eine junge Lehrerin, die gerade ihr 2. Kind erwartet, ist ein Mitglied der russisch-deutschen Gesellschaft. Sie begleitete uns und war immer zur Stelle und half uns bei der Bewältigung des russischen Alltags.

Das an diesem Tag vorgesehene Straßen-Festival fiel dem Regen zum Opfer. So trafen wir uns zur Fahrt am Schauspielhaus, einem beeindruckenden Bau von 1897, der zum 100. aufwendig renoviert wurde. Unvorhergesehen konnten wir das Haus mit seinen teilweise prunkvollen Räumen besichtigen. - Die Abschlußfeier fand in einer Alten-Begegnungsstätte am Stadtrand statt. Entsprechend russischer Tradition bogen sich die Tische unter einer Last kulinarischer Köstlichkeiten von der schon vorher feststand, daß sie nicht zu schaffen war. Zum letzten Mal wurden Reden gehalten, Ehrungen vorgenommen und Erinnerungen ausgetauscht und alle deutschen Teilnehmer werden sich noch lange an das 14-tätige Feuerwerk russischer Gastfreundschaft erinnern.

 

9. Bericht, 25.08. - 29.08.2019

Am 25.08. warfen wir "den Riemen auf die Orgel" und starteten zur Fahrt in 2 Etappen nach Bratsk. Lutz wollte diesen Ort unbedingt sehen, weil es sich Ende der 60er Jahre um eine der letzten "sozialistischen Großbaustellen" handelte und unter widrigen sibirischen Bedingungen ein gewaltiger Staudamm, ein Großkraftwerk mit 18 Turbinensätzen, ein Zellulose-Kombinat, die noch heute leistungsfähigste Aluminiumhütte der Welt und eine Stadt für 180 000 Einwohner mit allen Bildungs- und Kultureinrichtungen aus der Erde gestampft wurden. Die Berichte haben ihn damals fasziniert. Das Gebiet um Tulun, unserem heutigen Etappenziel, wurde um die Monatswende Juni/Juli 2019 von einem schlimmen Hochwasser heimgesucht, dessen Spuren allenthalben und auch an unserem Übernachtungsplatz, einer "Touristischen Basis" am Fluß, noch sichtbar waren.

Beim Besuch am 26.08. in Bratsk war der Staudamm immer noch gewaltig, der sichtbare Teil des Kraftwerks riesig, aber die Stadt nicht mehr "sozialistisch". Der riesige zentrale Platz mit Lenin und ein paar Monumentalbauten kann auch nicht verhindern, daß der sozialistische Geist sich nicht mehr einzustellen vermag. Na ja, so etwas kann passieren mit Jugendlieben, die man nach 50 Jahren trifft. Unser Übernachtungsplatz am Hafen, den wir erst mit einem - wieder einmal - hilfsbereiten Russen fanden und nach einigem Hin und Her mit dem Wächter beziehen konnten, lag wundervoll am "Bratsker Meer" und Lutz war letztlich zufrieden, daß er hier gewesen war.

Rückfahrt am 27.08. wieder auf demselben Weg über Tulun, weil die angedachte und beim "googlen" recht gut aussehende Straße nach Tajschet nach zahlreichen übereinstimmenden Antworten als in sehr schlechten Zustand befindlich beschrieben wurde. Da wir andererseits auch nicht wieder Lust auf den staubigen, lauten und wasserlosen LKW-Rastplatz bei Tinskoy hatten, machten wir auf dem Weg nach Krasnoyarsk 2 x 450 km und kamen am 28.08. nachmittags auf den schon bei der Hinfahrt bewährten Stellplatz bei "Sibirian Club Hotel" an; mit Panorama-Blick über den Jenissei auf die Stadt, Strom, Wasser, Toiletten-Entsorgung, Duschen satt und Registrierung. Herz, was willst du mehr?

Bürotag für Lutz und Besuch vom Landschaftspark Stolby für den Rest der Truppe am 29.08. nach unschlüssigem Wetter am Morgen und folgenden strahlenden Sonnenschein. Unserem Unfall-Pechvogel, inzwischen ohne WoMo wieder zuhause, zum Geburtstag gratuliert.

 

10. Bericht, 30.08. - 07.09.2019

"Transportetappe" am 30.08. mit Abfahrt erst 10.00 Uhr nach Mariinsk mit den unvergleichlich schlechten Straßen in und um Kransk - völlig untypisch für unsere Reise. Der freundliche Betreiber des von uns auf der Hinfahrt entdeckten Campingsplatzes schaffte es dann auch noch zwei deutsche Gasflaschen füllen zu lassen. Ein Gedankenaustausch mit ihm über europäische Geschichte und russischer Gegenwart war - Google Translater sei Dank - interessant und informativ. - Am nächsten Morgen zeigte er uns beim Verlassen von Mariinsk noch das Denkmal von Zarin Maria Alesandrowa, Ehefrau von Alexander III., die der Stadt 1857 ihnen Namen gab und das "Deutsche Haus", in dem daran erinnert wird, daß es noch viele deutsche Familiennamen im  Raum Mariinsk gibt, was auf die Ansiedlung deutscher Familien unter Katharina der Großen zurückzuführen ist.

Die 2-tägige Fahrt nach Barnaul (dem Eingang zum Altai-Gebirge) unterbrachen wir zunächst in Kemerovo. In dieser als reine Industriestadt verschrienen Stadt hatten wir schon bei der Hinfahrt eine beeindruckende Mittagespause am Fluß Tom. Nun machten wir bei der Rückfahrt eine Pause im Zentrum und waren angetan von der Atmosphäre, den Kulturbauten, den blumengeschmückten Promenaden und den glatt und eben gepflasterten Gehwegen. - Dann nahmen wir auf Anraten des Campingplatzbetreibers nicht den Weg über Novosibirsk, sondern die 150 km kürzere Querverbindung zwischen Belevo und Barnaul. Diese zur Chrustschow-Zeit ausgebaute Verbindung führt zunächst durch flaches Land und später hügeliges Vor-Altai-Gelände. Durch den Bau auf Dämmen bei oft moorigem Gelände und der konsequenten Überwindung von Taleinschnitten durch z.T. hohe Brücken ist eine sehr ebene Streckenführung entstanden. Barnaul ist eine große Stadt mit über 600 000 Einwohnern. Mit Grün und reichlich Blumenschmuck auf Alleen und Plätzen, Theater und Musiktheaater, Medizinischer Universität und Technische Hochschule unterstreichen die Bedeutung der Stadt. Ein ruhiges Plätzchen für die Nacht fanden wir auf dem am Wochenende nicht genutzten Parkplatz der Technischen Hochschule.

An den nächsten drei Tagen (02. - 04.09) fahren wir ins Altai-Gebirge, auf das uns Reiseberichte neugierig gemacht haben. Von Barnaul aus führt eine unglaublich gute Straße ca. 500 km durch das Gebirge bis zur mongolischen Grenze. Davon fahren wir ca. 250 km bis zum Seminskiy-Paß (1800 m). Zunächst bis Bisjk durch Flachland am Ob entlang, dann folgen wir der wasser- und strömungsreichen Katun über Gorno-Altaisk und mit einem Abstecher nach Chemal bis zu 600 m Höhe. Die Landschaft an der Katun ist wild und schön. Zurück auf den gepriesenen "Panorama-weg", der inzwischen in voller Länge (30 km) touristisch zugebaut ist; die weitere Strecke bis zum Paß mit einigen schönen Dörfern noch weitgehend "naturbelasen". - Nach der Rückkehr nach Barnaul vom 04. aus den 05.09. eine laute Übernachtung auf dem Hostelparkplatz im Centrum, aber 

   1. war unser ruhiges Plätzchen vom Wochenende nun vollgeprakt

   2. brauchten wir die Registrierung vom Hostel - und nebenbei war die Dusche auch nicht zu       

       verachten

Dann eine Fahrt durch weite, ebene, landschaftlich genutzte Flächen (Buchweizen, Sonnenblumen, diversen Kohlarten) nach Rubtsovsk in der Nähe des Grenzübergangs nach Kasachstan. Hier am See bei einem Turkmenen "Ploff" gegessen.

Am nächsten Morgen in Erwartung der meistens als langwierig und unorganisiert beschriebenen Abfertigung zur Grenze,  a b e r  nur 2 Fahrzeuge vor uns am russischen Schlagbaum, höfliche, zügige Abfertigung mit deutscher Begrüßung. Genauso höflich und zügig auf der kasachischen Seite und in ca. 90 Min. waren wir in Kasachstan.

Die Straßen von der Grenze nach Semei begann so, wie kasachische Straßen meistens beschrieben werden. Aber sie wurde besser, je näher wir nach Semei kamen. Übernachtung auf einem staubigen, aber relativ leisem LKW-Platz. Semei ist das frühere Semipalatinsk und in dieser Region wurden die sowjetischen Kernwaffen getestet. Die Stadt gilt heute nicht mehr als übermäßig belastet. Das Zentrum hat einige Sehenswürdigkeiten (z.B. Dostojewski-Museum). Sie zu ignorieren war sicherlich Frevel. Bevor wir dann nach Pawlodar abfuhren, haben wir in Semei am Morgen auf der Polkonitschiyi-Insel noch das Mahnmal "Stärker als der Tod" besucht, das an die Toten der Atomversuche beim früheren Semipalatinsk und in aller Welt erinnert. Eine großartige und beeindruckende Anlage, bei der wir auch einen ruhigen Platz für die Nacht gehabt hätten.

Von den anschließenden 340 km Strecke waren die jeweils 30 km nach Semei und vor Pawlodar holprig, der Rest aber autobahnmäßig ausgebaut. Die Fahrt durch die beginnende Steppenland-schaft und Wälder mit Sandboden, die an die Mark Brandenburg erinnern, war unerwartet abwechselnd, was sich noch gesteigert hat, nachdem wir in einen Ort abgebogen sind, dort unseren Brauchwasservorrat am öffentlichen Wasserhahn ergänzen konnten und am hohen Ufer des Flusses Jertis (Iltitsch) Mittag gegessen haben. Weil unser Stellplatz an einem Hostel 7 km außerhalb Pawlodar lag, ließen wir es bei einem guten Abendessen bewenden und hoben uns die Sehenswürdigkeiten für den nächsten Vormittag auf.

 

11. Bericht, 08. - 18.09.2019

Am Sonntag (08.09.) besuchten wir zunächst die beiden markantesten Bauten von Pawlodar, die Segenskathedrale und die Maschur-Zhusup Moschee. In der Sakristei der riesigen orthodoxen Kathedrale aus 1999 fand gerade die Messe statt und das Innere konnte nicht betreten werden. Die zweitgrößte Moschee Kasachstans beherbergt alle rituelle, kulturelle und soziale Einrichtungen unter einem Dach. 

Dann geht es nach Norden in die unendliche Steppe mit Landschaftsbildern, die besonders Lutz faszinierten. Ansonsten ist Straßenbau im großen Stil angesagt, vierspuriger Ausbau - vermutlich der Neuen Seidenstraße Nordroute - mit Fahrstreifenwechsel, Verengungen und Geschwindigkeits-beschränkungenl. In Ekubastuz treffen wir auf das größte Steinkohlen-Kraftwerk der Welt mit einem 400 m hohen  Schornstein, aus dem offenbar ungereinigte Abgase in unvorstellbarer Menge austreten - ein beklemmender Anblick. Wir verbiestern uns in diesem ungastlichen Ort und erst ein netter Taxifahrer setzt uns wieder auf den richtigen Leitstrahl zum Naturschutz- und Urlaubsgebiet Bajanaul. Die Landschaft wird bergig und felsig. In Bajanaul ist Saisonende und die Erholungsein-richtungen sind geschlossen - so verbringen wir eine ruhige Nacht auf dem Parkplatz vor der Polizeiwache.

Am Montag war die Straße nach Karaganda der schlagende Beweis dafür, was kasachische Winter aus Straßen machen können: Schlaglöcher, Frostaufbrüche, Spurrillen ohne Ende haben Konzentration erfordert und für eine langsame Fahrt gesorgte. Aber die Sache war noch steigerungsfähig, denn zum Stellplatz beim Motel haben wir noch 3 km erwischt, die nur aus Löchern aller Art bestand und sogar die LKW Schritt fahren ließen. Karaganda ist eine graue Industriestadt, von Steinkohlenabbau und luftverunreinigenden Kraftwerken umgeben. Lutz´ Inter-esse hat sie nur erzeugt, weil hier nach dem 2. Weltkrieg zehntausende deutsche Kriegsgefangene zwangsgearbeitet haben.

Am 10.09. durch z.T. hügelige Landschaft und auf besser und breiter werdenden Straßen (bis zu 6 Spuren) in die kasachische Hauptstadt Astana. Unterwegs fielen die großen Pferdeherden und die prunkvollen Nomaden-Friedhöfe auf. Die neue Hauptstadt (sie löste Anfang der 90er Jahre Almaty ab) empfängt den einfahrenden Besucher mit einer futuristisch erscheinenden Skyline. Unlängst wurde sie nach dem Vornamen des ehemaligen Präsidenten in "NurSultan" umbenannt. - Unser Stellplatz für die nächsten 3 Nächte war im Hof eines kleinen Hostels in Stadtnähe - bei Allradfahrern und Backpackern bestens bekannt. Hier trifft man interessante "Rumtreiber". In NurSultan gibt es einen HopOn-HopOff-Bus und dies nutzten wir zum ersten Kennenlernen dieser Ansammlung ungewöhnlicher Bauten. Anschließend schlenderten wir noch auf der Hauptsichtachse zwischen Präsidenten-Palast und "Pyramide".

Den nächsten Tag widmeten Heidrun, Elisabeth und Hans der Museumslandschaft von Astana und dem EXPO-Gelände von 2017 - alle Bauten natürlich wieder architektonisch extravagant. Am Abend dann der eigentliche Höhepunkt unseres Astana-Aufenthalts: eine Fahrt mit dem Besitzer des Hostels durch das nächtliche, beleuchtete Astana. Dabei erfuhren wir sehr viel über die Stadt mit inzwischen weit über 1 Mill. Einwohnern, über Land und Leute und deren Befindlichkeiten. Dazu einiges über die Landschaft und Nutztierhaltung in Kasachstan, denn das hatte er - auch in Deutschland - studiert. Schließlich war beeindruckend, wie viel Leben am späten Abend noch in der Stadt war und wie die Einwohner die vielfältigen Möglichkeiten annahmen - aber es wurde auch gebettelt und die Polizei-Präsenz war unübersehbar.

Am 13.09. verließen wir Astana und fuhren weiter nach Norden in den landschaftlich mit Seen und Bergen reizvollen Burabay-Nationalpark. Hier war es nicht so einfach, einen Stellplatz zu finden. Viele Einrichtungen hatten schon geschlossen, andere wollten uns nicht aufnehmen. Schließlich fanden wir ein ruhiges Plätzchen am See an einer auch schon geschlossenen Ferienanlage. Abends besuchten uns noch zwei "Security-Men" und wir befürchteten schon die Vertreibung aus dem Paradies, aber sie wollten nur wissen, wie lange wir bleiben und wünschten uns eine gute Nacht.

Am nächsten Morgen endlich mal eine Waschanlage und dann zur letzten Station in Kasachstan, Petropawlowsk. Eine 160 000 Einwohner-Stadt mit einer schmucken und an diesem Samstag betriebsamen Fußgänger-Promenade. Kleine Autos für die Kids zu mieten ist der letzte Schrei. Tretauto nannte man es früher; heute geht es elektrisch und die Eltern haben die Fernbedienung in der Hand. Übernachtet haben wir auf dem bewachten Parkplatz eines Hotels direkt an der Fußgänger-Promenade.

Grenzübertritt von Kasachstan nach Russland am 15.09. Kasachstan verabschiedet sich noch einmal mit einer 60 km langen miesen Straße (einschließlich 15 km noch mieserer Baustelle) bis zur Grenze. Grenzabfertigung auf beiden Seiten zügig und höflich. - 200 km bis Kurgan - eigentlich kein erwähnenswerter Ort, aber mit einem 4 Sterne"Business-Hotel" am Regional-flughafen, in dem wir duschen  und im abgeschlossenen Hof stehen konnten.

Von Kurgan nach Miass am Ostrand des Ural-"Gebirges" und weiter nordwärts in das Erholungsgebiet Turgoyak (Ort und See). Das angepeilte Pensionat mit Platz am See entpuppte sich als heruntergekommene Teilruine. 5 km weiter eine großzügige Hotel- und Ferienanlage mit Chalets, Saunen, Badestrand, Bootsverleih, Quad-Vermietung usw. Hier wurden wir freundlich empfangen und durften kostenlos in dem weitläufigen Gelände stehen. Hätte sich für einen faulen Tag (mit Wandern) angeboten, aber das Wetter war gegen uns und Regen trieb uns weiter. Der Ort selbst wartete vor der Weiterfahrt außer mit der Tristesse der Nachferienzeit nur noch mit einem architektonisch bemerkenswerten - aber verwahrlosten - Kirchenbau und einem restaurierten Blockhaus-Ensemble auf. Auf der Magistrale M5 durch den Ural - mehrfach bemerkenswert: eine landschaftlich hervorragende Strecke durch ausgedehnte Wälder mit Panoramablicken von den Höhen (bis 1 000m), Steigungen und Gefällen (bis 12 %) und einem unglaublich dichten LKW-Verkehr, Güterzügen ähnelnd. Da kann nur mit deren Tempo "mitgeschwommen" werden (85 km/h in der Ebene) und sich Blickausflüge in die Landschaft weitgehend verkneifen. So kamen wir auf immer besser und breiter werdender Magistale bis südlich von Ufa zu einer als "Cafe Camping'" beschriebenen Raststätte mit sommerlichem Badebetrieb am See - von Camping keine Spur. Wir standen wenigstens von der Straße weg im Hof, hatten Dusche, Toilette, Strom und Internet und somit Grund genug  einen Ausspannungstag einzulegen bevor die interessanten Wolgastädte (Samara, Saratow, Wolgograd) in unser Blickfeld treten.

 

12. Bericht, 19.09. - 25.09.2019

Am 19.09. von Ufa weiter südwestwärts in Richtung Wolga. Die Etappe nach Samara (ca. 430 km) haben wir geteilt. Ursprünglich weil wir unbedingt die Registrierung brauchten, in der das Motel M5 nicht in der Lage war, schließlich aber auch, weil es stürmte und regnete und die Fahrt mit LKW-Konvoi wahrlich kein Vergnügen war. So landeten wir nach knapp 200 km an einem abseits der M5 an einem Hügel gelegenen Gasthof bei Oktyabrsl, der seine gute Zeit offensichtlich im Winter hat, wovon die Skilifte hinter dem Haus zeugten. Hier wurden wir freundlich aufgenommen, bekamen unsere Registrierung, konnten noch etwas wandern, duschen und hatten Internet-Zugang. 

Am nächsten Morgen 270 km nach Samara an der Wolga. Spaziergang über die herrlich angelegte Uferpromenade zum von ihm dann doch nicht benutzten Stalin-Bunker (weil Moskau nicht in deutsche Hände fiel), zum Alexj Tolstoi-Haus und zur Stadtinformation. Zurück im Hagel und Gewitterregen. - Unser eigentlich angenehmer Stellplatz in einem Freizeitzentrum an der Wolga wurde uns dann in der Nacht verleidet, weil die eigentlich nach aussen leise Disko uns ab 3.00 Uhr nachts mit einer brachialen Aussenübertragung "beglückte". Die geplante zweite `Übernachtung haben wir sausen lassen. Stattdessen am Sonntagmorgen noch das Frauenkloster Iverskij besucht und auf dem großen Wochenmarkt  mit seiner riesigen Auswahl Obst, Käse und Wurstwaren eingekauft. - Dann noch ein "Schmankerl": Von dem Weg zum eigentlichen Tagesziel Syzran machten wir einen Abstecher (47 km einfach) in den kleinen Ort Shirvueva zum Ilja Repin-Museum, wo der berühmte Maler an einem seiner bekanntesten Werke, dem Wolga-Treidlern gearbeitet hat. Der Weg dorthin war nicht ausgeschildert und für das Navi ein "böhmisches Dorf", aber an der Tankstelle trafen wir einen freundlichen LADA-Fahrer,  der zufällig dort wohnte und dem wir folgten. Die drei Damen im Museum führten uns noch am Abend durch die sehenswerte Anlage und danach schliefen wir sehr ruhig vor dem Museum.

Zurück zur Magistrale anfangs mit Blick auf die Wolga und deren zahlreichen Ortsdurchfahrten mit Dutschen aber auch ständig bewohnten Anwesen - Susran - ein Zwischenziel hat aus alten Zeiten lediglich den Glockenturm, während das Gelände an der Wolga Mahnmale aufweist mit Ehrungen. - Vor Balakovo wechselten wir die Uferseite und erreichten auf z.T. holpriger Straße mit heftigen Regengüssen Marks. Diese Städte links der Wolga gehen auf die Gründung von Katharina II zurück, die um 1765 Altgläubige und Deutsche ins Land rief. In Marks verbrachten wir direkt an der Wolga die Nacht in der ein heftiger Sturm aufkam, der mächtig am Mobil wackelte, so daß wir noch nachts Schutz suchten und umsetzten.

Auch die darauf folgende Tagesfahrt war vom Sturm begleitet, aber auf sehr gut ausgebauter Straße erreichten wir Engels, die Stadt, der russisch-südländischges Flair nachgesagt wird. Über die Brücke von 3 km Länge nach Saratow zum bewachten Parkplatz ziemlich zentral und auch wieder an der Wolga-Promenade gelegen. Beim Gang durch die Stadt fallen eine Mixtur zwischen uralten - wundervoll restaurierten sowie  moderne Bauten auf und verehrte Persönlichkeiten finden stets in Übergrößen ihren Platz - im ganzen Land. - Es ist Montag und somit ein Museumsbesuch nicht möglich. Kälte und Wind lassen uns ein grusinisches Restaurant aufsuchen. Da es nur russische Speisekarten gibt, bekommen wir eine reichlich bebilderte Karte. Das Essen war köstlich!

Heute am 24.09. nähern wir uns dem südlichsten Zielpunkt unserer Reise - Wolgograd, das aber als Stalingrad unser Geschichtsbewußtsein beeinflusst hat. Der Ort hielt dann auch gleich Überraschungen für uns bereit. Den immer noch beschriebenen Stellplatz am inzwischen ziemlich verwahrlosten Hotel "Tourist" gibt es nicht mehr. Die mürrische Dame an der Rezeption verwies uns an das Hotel "Intourist" im Stadtzentrum. Vorerst fanden wir Platz auf dem riesigen Parkplatz des neuen Stadions am Wolgaufer und "Mütterchen Rußland" - eine gewaltige Statue der Gedenkstätte des Sieges über die deutschen Truppen in der Schlacht um Stalingrad, war zur Restaurierung eingerüstet. An der Gedenkstätte befindet sich noch immer ein Museum für und über Josef Wissarionowitsch Stalin.

Am nächsten Morgen begaben wir uns zunächst zum Hotel "Intourist", das aber nur mit einem verkehrsumtosten Parkplatz vor dem Haus und einem engen, lauten Wirtschaftshof als Stellplatz un-geeignet war. - Der Umtausch von Euro in Rubel gelang im 3. Anlauf denn an der von der Stadtinfo angegebenen Adresse stand nur noch eine Pavillon-Ruine. Wir verbrachten dann auch die 2. Nacht relativ ruhig und gut ausgeleuchtet auf dem Parkplatz beim Stadion. Zuvor besuchten wir nachmittags noch die Ausstellung über die eigentlich Schlacht um Stalingrad mit der Schilderung vieler Heldentaten von Soldaten und deres Führern - Generalissimus Stalin wurde auch hier sein Platz nicht strittig gemacht. Heidrun, die sich vom Schlachtgetümmel ferngehalten hatte, erklomm dann noch hunderte von Stufen des Gedenkhügels, um mit "Mütterchen Russland" den Blick auf die Stadt und die Wolga zu geniessen.

 

13. Bericht, 26.09. - 30.09.2019

Am 26.09. verliessen wie Wolgograd, um in 2 Etappen Voronez zu erreichen. Am geplanten 1. Etappenziel: Borissoglebsk, fanden wir keinen Stellplatz und fuhren noch ca. 80 km weiter und übernachteten im Hof von Anna sogar noch mit Abendessen.  -  Demzufolge waren wir am 27.09. nach einer Fahrt durch ausgedehnte Schwarzerde-Gebiete schon am späten Vormittag in Voronez und wollten eigentlich vom per Internet geplanten Stellplatz aus die baulich interessante Innenstadt erkunden. Unser Internet-Stellplatz entpuppte sich aber als Fata-Morgana, die Innenstadt Zufahrt als wenig WoMo-freundlich mit holprigen Erd-Sandgemischstraßen aber z.T. beeindruckender Grund-stücksbebauung. So ließen wir schweren Herzens die historischen Bauten im Zentrum rechts liegen und fuhren weiter bis hinter Kursk. Immerhin konnten wir hinter Voronez zwei Gasflaschen füllen lassen. Kursk zu umfahren fiel uns leicht, denn nach allgemeiner Ansicht hat die Industriestadt außer der Erinnerung an die in der Umgebung stattgefundene Panzerschlacht im 2. Weltkrieg und der Namensgebung für das verunglückte Atom-Unterseeboot nichts zu bieten. Ca. 100 km vor Orel beschlossen wir den Tag auf einem Schlichtparkplatz für LKW, den wir deshalb in Erinnerung behalten, weil der Betreiber eine Parkgebühr strikt ablehnte und uns auch noch einen Kaffee spendierte, da er sich - über jeden deutschen Gast freut.

Der nächste Tag machte zunächst richtig Spaß, denn wir fuhren ca. 60 km über Orel hinaus Richtung Moskau in den kleinen Ort Spasskoe-Lutovino zum Geburtshaus von Iwan Turgenev, dem bekannten russischen Dichter, der auch in Deutschland und Frankreich lebte und der sich als Nachkomme einer Gutsbesitzerfamilie sehr für die Aufhebung der Leibeigenschaft in Rußland eingesetzt hat. Das als Museum geführte Haus, in dem Turgenev nach dem Tod seiner Mutter auch lebte, gibt interessante Einblicke in den großbürgerlichen Lebensstil. Der dazugehörige sehr gepflegte Park beeindruckte durch seine Größe, dem alten Baumbestaand und dem See. Erstaunlich war der gefüllte Parkplatz - auch mit einer Reihe von Bussen - und die daraus resultierende Besucherzahl. Einmal mehr der Beweis, daß Rußland mit seinen Klassikern lebt. Nach diesem high-light hastige Rückfahrt nach Orel und weiter Richtung Smolensk - nicht spaßig, aber notwendig, um die km am nächsten Tag zu verringern. Übernachtung auf einem "Schlammloch" von LWK-Raststätte - aber nachts erstaunlich ruhig und am Abend noch mit einem unerwartet guten Cappuccino.

Am 29.09. Ankunft in Smolensk am Nachmittag in einem - von uns so empfundenen - chaotischen Stadtverkehr. Auf dem weitläufigen, bewachten Parkplatz des Smolensk-Hotel hatten wir eine ruhige Nacht. Zuvor aber noch Besuch  in der Gemäldegalerie und in der Uspensky-Kathedrale.

Heute schließt sich der Kreis mit dem Grenzübertritt von Russland nach Lettland. Wegen der unklaren politischen Verhältnisse erfolgte der Grenzübergang wieder am Border-Point Zielupe Auf dem Weg dorthin fuhren wir mal ausnahmsweise "von Hand und mit Hirn", weil das Navi große Probleme hatte, Weißrussland zu umfahren. Freiwillig zahlten wir für die sonst gesperrte Straße die Maut bzw. Straßenbenutzungsgebühr.  Russland entläßt uns komplikationslos, freundlich und zügig. Die lettische Grenzabfertigung hingegen - als EU-Außengrenze gestaltete  sich als äußerst aufwendig; u.a. wurde der Inhalt unseres Kühlschranks kräftig "entsorgt". 

Vom Campingplatz Dzerkali statteten wir noch bei Dana in Litauen einen Besuch ab bevor wir in drei Etappen durch Polen Frankfurt/Oder erreichten.

 

Fazit

Die Reise hat unsere Hoffnungen und Erwartungen erfüllt und in einigen Punkten übertroffen

° Wir haben die gesetzten Reiseziele - bis auf eines - erreicht.

   - Irkutsk, Baikalsee, Insel Olchon

   - Bratsk, eine der letzten sozialistischen Großbaustellen

   - Altai-Gebirge

   - Nord-Kasachstan mit der neuen Hauptstadt Astana, jetzt NurSultan

   - Die Wolgastädte Samara, Saratow, Wolgograd

   - Die Städte Tobolsk und Kemerowo waren eine unverhoffte Bereicherung der Reise.

Wir sind auf der Rückreise nicht durch die Ukraine gefahren, weil uns die Lage dort als nicht recht überschaubar erschien und haben stattdessen den Weg durch Lettland und Litauen gewählt.

Die von uns befahrenen Straßen waren weit überwiegend in gutem Zustand und damit besser als von uns - aufgrund von Reiseberichten usw. - erwartet. Den Weg zum Baikalsee haben wir nie als Abenteuer empfunden.

Merke:

° Die gelegentlich vorhandenen Baustellen sind die guten Straßen von morgen. Die guten Straßen von heute sind die Baustellen von übermorgen, wegen

    des immensen LKW-Verkehrs und der harten Winter.

° Das Mitschwimmen im dichten LKW-Verkehr muß man in kollektiver Mißachtung der Verkehrsvorschriften - ausgenommen Zebrastreifen und Ampeln.

° Wir erlebten unterwegs fast ausnahmslos freundliche, interessierte, aufgeschlossene und hilfsbereite Menschen. Oft auch Hup- und Winkkontakt von         Auto zu Auto. 

° Es gab interessante Gespräche über Dinge des täglichen Lebens (Löhne und Einkommen, Preise, Mieten, Kreditzinsen, Beurteilung der eigenen                 Situation, Freizeitgewohnheiten, Erwartungen an die Zukunft).

° "Tante Emma" lebt

    Supermärkte, Filialketten (z.B. Magnet) und große "Produkty"-Läden haben rapide zugenommen und trotzdem behaupten sich noch die kleinen Läden      im Dorf oder an der Ecke mit erstaunlich kompletten Sortiment und fachkundiger, freundlicher Betreiber.

°  Östlich von Moskau und dem "Goldenen Ring" gibt es so gut wie keine spezielle Infrastruktur für Reisemobile. Wir nutzten einen funktionierenden        Mix von Hotelparkplätzen, Motels, Autohöfen, Parkplätzen bei Sport- und Freizeiteinrichtungen.

 

Die Meinungen über Putin sind nicht ungeteilt, aber ziemlich einhellig zu folgenden Punkten:

° Er hat Russlands Bedeutung in der Welt wiederhergestellt und gefestigt.

° Viele sehen die wirtschaftlichen Erwartungen der "Normalbürger" nur teilweise erfüllt.

° Allgemein wird keine Alternative zu Putin gesehen.

 

Wir haben insgesamt ca. 21.000 km zurückgelegt und für die Reise (inkl. Versicherungen) insgesamt ca. 7.000,- € ausgegeben.

Top